Missachtet, weil er anders war

Das Lille Kartoffler Figurentheater spielt „Hans, mein Igel“

In der vorletzten Schulwoche besuchten die Schüler und Schülerinnen der 5. Jahrgangsstufe das Figurentheater bei „Kultur am Regenbogen“ in Cham, das jedes Jahr viele auserlesene Stücke für Kinder und Erwachsene zusammenstellt und anbietet.

Märchen und Spielerfahrung

Sowohl im Deutsch- als auch im Kunstunterricht hatten die Kinder schon jede Menge Erfahrung und Wissen zu vielen Märchen zusammengetragen. Die Schüler der 5b und c waren im Kunstunterricht selbst als Puppenspieler tätig, dabei hatten sie eigene Szenen für ein Figurenschattentheater entworfen und gespielt. Ebenso stellten sie als Vorbereitung zur Aufführung in der Kreisstadt das eher wenig bekannte Märchen „Hans, mein Igel“ in Standbildern nach.

Gespannt nahmen die aufgeweckten Schüler vor der Bühne Platz, auf der sie schon das „Figurenkabinett“- kindergroße, charakterbetonte Figuren - erwartete. Matthias Kuchta, ein Puppenspieler mit langjähriger Erfahrung und weisem Gespür für die kindliche Seele, trat auf die Bühne und zog die Zuhörer mit seiner weichen, tiefen Stimme sofort in seinen Bann.

„Ich wünsch mir einen Sohn, und wenn´s ein Igel wär!“

Dies rief der Mann des kinderlosen Ehepaars, das schon in die Jahre gekommen war. Und wie das in Märchen so möglich ist, geschah es. Sie bekamen einen Sohn, der am Oberkörper und Kopf die Stacheln eines Igels trug. Überfordert mit seinen Bedürfnissen, legten sie ihn in den Stall, sodass er mit den Tieren aufwuchs. Aus dem Wunschkind wurde ein missachteter Sohn, der das Elternhaus verlassen musste. Mit einer großen Schweineherde hauste er im Wald, dabei erreichte er einigen Wohlstand. Sein stacheliges verletzendes Aussehen erregte aber jedermanns Abscheu. Nach allerlei Abenteuern und Schwierigkeiten lernte eine Königstochter ihn lieben und half ihm, den Igelpelz abzustreifen.

Gespielt wurde das Märchen, wie bei Lille Kartofler üblich, offen mit lebensgroßen, weichen Textilfiguren – nur der Igelpelz war allerdings arg stachelig. Immer wieder wurde das Publikum in das Geschehen mit einbezogen. Dieses Puppenspiel ist vergnüglich und nachdenklich, karikiert satirisch, interpretiert das Märchen kindgerecht und liebevoll.

Die Zuschauer klatschten begeistert Beifall. Nach der Vorstellung stellte sich Matthias Kuchta mit seiner Puppe Hans, mein Igel an den Ausgang, und jeder, der wollte, durfte dem Hans über den stacheligen Igelpelz streichen. Nur ja keine Berührungsängste!

Heidi Müller

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